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Auswandern easy peasy

Posted over 3 years ago by Annika in Personal

Wie Auswandern easy-peasy ist

oder: An alle Wissbegierigen, Moechte-gern Auswanderer und Daheimgebliebenen

Immer wieder ueberrollt mich die Fragenflut: "Und wie lange seid ihr schon hier? Warum denn gerade Waihi? Und wie ging das mit dem Einwandern? Kann man einfach so eine Baeckerei eroeffnen? Und dann seid ihr jetzt neuseelaendische Staatsbuerger?…." und obgleich man ja Fragen stellen soll im Leben, und ich das auch prinzipiell sehr begruesse, so wird das Antworten in der live Version in arbeitsreichem Umfeld irgendwann muessig.

Deshalb hier und in Schriftform fuer jedermann nach- oder vorzulesen und mit den wichtigsten Lektionen versehen die Auswandern easy-peasy machen. Denn wie so oft im Leben haengt das meiste von unserer eigenen Einstellung ab: Don't worry, be happy!

Lektion 1: Flexibel sein
Ron und ich haben im Herbst 2010 geheiratet und sogleich Europa verlassen mit der Absicht uns in Tasmanien (die kleine Insel im Sueden von Australien) niederzulassen. Da Tassie nur im abgelegten Ort Strahan mit der Prognose von 250 Regentagen im Jahr einen Job fuer Ron zu bieten hatte, und ich bereits schwanger mit Tochter Nr.1 war, verholten wir uns aufs Festland und siedelten erstmal im Barossa Valley. Dort gab es eine gute Stelle als Kuechenchef fuer Ron und eine deutsche Baeckerei fuer mich zum einkaufen. Das Leben war schoen, das Brot lecker und unser erstes Kind kam zur Welt.

Lektion 2: Rueckschlaege einstecken
Einige Monate spaeter kaempften wir uns immernoch durch Tuerme von Korrespondenz mit der Einwanderungsbehoerde, denn wieder einmal war unser Antrag auf eine dauerhafte Bleibegenehmigung abgelehnt worden, weil Ron in seinem Englischtest SCHON WIEDER geschlagene 0.5 Punkte in Rechtschreibung fehlten. Der arme Mann ist in Ost Deutschland zur Welt gekommen und hat doch niemals Englisch in der Schule gelernt - dafuer allerdings, finde ich, ist sein Englisch ziemlich hervorragend. Aber mich fragt ja keiner. Leider wurde auch nie gefragt wie er es denn schafft die Kueche eines angesehenen Resorts zu leiten, geschweige denn mit etlichen Lieferanten und auch renommierten Kunden und Hochzeitsgesellschaften zu kommunizieren. Erfolgreich und auf Englisch.
Aehem, die Frustration auf eine entpersonalisierte Buerokratie klingt noch etwas durch... Pech fuer Australien - denn da sind ihm doch glatt zwei junge, qualifizierte, motivierte BIP Produzenten durch die Lappen gegangen!

Auf zu anderen Ufern! Neuseeland war uns aus vorherigen Langzeit Besuchen in wundervoller Erinnerung und so wechselten wir die Insel.

Lektion 3: Kleine Broetchen backen
Wir waehlten von den Job Angeboten jenes aus, welches landschaftlich am schoensten gelegen war. In der Naehe des Meeres und in der stets von der Sonne beschienenen Bay of Plenty. Die Arbeitgeber waren nett, die Stunden zu wenig und somit finanzielle Flaute. Also Schlachtplan B: der ewige Traum meines Mannes eines Tages eigene Wuerstchen zu machen durfte Realitaet werden. Diese schleppten wir zu allen erdenklichen Maerkten der Region um ein kleines Zubrot fuer die Familienkasse zu ergattern.

Lektion 4: Chancen erkennen
Wir servierten die Bratwuerstchen auf unserem hausgemachten Brot, weil das NZ Supermarkt Brot einfach zu gruselig fuer so gute Wuerstchen ist. Und es geschah bald oefters, dass man uns den letzten Brotkanten abkaufen wollte, weil das Brot so gut war. AHA! So begannen wir auch ein paar zusaetzliche Laibe Brot mit auf die Maerkte zu nehmen und wir wurden zu Brothaendlern und Baeckern.

Lektion 5: Habe einen Traum und Mut
Nach zwei Jahren Aufenthalt in Neuseeland haben wir eine dauerhafte Aufenthaltsgenehmigung erhalten. Mit dieser in der Tasche darf man sich selbststaendig machen. Ein bischen Mut und der Traum all denen, die sich gesuender ernaehren moechten Alternativen zu bieten waren genug. Mit geliehenem Geld entkernten wir ein abgewracktes Cafe in einer der besten Lagen Waihis, fuellten es mit Schnaeppchen und Schaetzen vom online Auktionshaus trademe und The German Bakery war geboren.
Heute, zwei Jahre spaeter, erklaeren wir nach wie vor taeglich wie unsere Produkte hergestellt werden und aus welch wenigen und welch guten Zutaten - und dessen werden wir niemals muede. "Was der Bauer nicht kennt, (fr)isst er nicht" gilt auch in dieser Ecke der Welt; genauso aber auch "Qualitaet setzt sich durch".  Die Dankbarkeit und Freude unserer Kunden fuer und ueber "echtes Essen" ist uns der beste Lohn - denn der monetaere ist nach wie vor nicht so uebermaessig.

Lektion 6: Weiter traeumen
Wir sind keine neuseelanedischen Staatsbuerger und werden dies auch nur dann werden wenn Fr. Merkel sich zur Duldung einer doppelten Staatsbuergerschaft durchringen kann. Dennoch ist Neuseeland unser Zuhause und wird uns bei weiteren Reisen und Abenteuern als Basislager und Home sweet home dienen. Ein paar Jahre Suedsee waeren schon nett. Womit wir wohl unter Kokospalmen unsere Broetchen verdienen wuerden??



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